Ein Luchs wird zum Thüringer!

NABU freut sich über erneuten Luchsnachweis im Thüringer Wald

Luchssichtung am 30. März 2019 im Thüringer Wald. Bildautor: Kai Illert
Luchssichtung am 30. März 2019 im Thüringer Wald. Bildautor: Kai Illert

Naturfreund Kai Illert gelangen am 30. März 2019 beeindruckende Bilder und auch ein Video eines Luchses bei einem toten Rehbock in der Nähe von Ilmenau. Kai Illert hatte auf seiner Radtour im Thüringer Wald das seltene Glück, einen Luchs aus unmittelbarer Entfernung zu Filmen. Die schöne Wildkatze mit ihren eindrucksvollen Pinselohren lag in aller Ruhe unmittelbar neben einem Waldweg zwischen den Bäumen. Der Grund für die Nahbegegnung war schnell gefunden. Am Wegrand lag ein toter, etwa dreijähriger Rehbock, welchen der Luchs offenbar kurze Zeit zuvor erlegte. „Luchse bewachen ihre Jagdbeute und halten sich häufig in der Nähe ihres Risses auf. Frisch erlegtes Wild und nicht verzehrte Beutereste werden von den großen Wildkatzen häufig verblendet, also mittels Waldboden und Laub abgedeckt. Der Vorrat an Nahrung wird später weitergefressen“, sagt Silvester Tamás, der Projektleiter des Luchsprojektes „Plan P wie Pinselohr“ beim NABU Thüringen.

Beim erneuten Luchsnachweis handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach, um denselben Luchs, der in den letzten Monaten immer wieder im Thüringer Wald bei Ilmenau gesehen und auch fotografiert worden ist. „Das ist sehr erfreulich. Vermutlich können wir davon ausgehen, dass es sich bei dem neuerlichen Nachweis um den ersten Luchs mit festem Wohnsitz in Thüringen handelt. Bislang waren uns lediglich Gebiete aus dem Südharz in Nordthüringen und aus dem Eichsfeld bekannt, die in den letzten Jahren wiederkehrend von Luchsen aus dem Harz und aus dem hessischen Raum besucht worden sind" berichtet Silvester Tamás.

 

Seit Mai 2017 wiederholen sich die Nachweise für Luchse im Thüringer Wald. Seit 2018 verdichten sich die Meldungen in der Region um Ilmenau. „Bei dem jüngst fotografierten Luchs handelt es sich vermutlich um einen ausgewachsenen Kuder, der wahrscheinlich aus dem Harz oder dem hessischen Raum stammt. Zumindest lassen die imposante Größe und die relativ verwaschene Fellfärbung des Luchses darauf schließen“, sagt der Naturschützer. „Um eine Bestätigung für diese Annahme zu erhalten, benötigen wir zukünftig ein gut strukturiertes Monitoring mittels Kamerafallen und bestenfalls genetisches Spurenmaterial, wie Fellhaare oder frischen Kot. Hieraus lassen sich detaillierte Angaben über Geschlecht und Herkunft der großen Wildkatze ableiten. Auch eine Besenderung des Luchses mit einem GPS-Halsbandsender wäre denkbar“, sagt Silvester Tamás. Will Thüringen den Schutz des Luchses und seine Rückkehr fördern, benötigen wir deutlich mehr Erkenntnisse über Lebensraumnutzung, Rückzugsgebiete und auch über mögliche Gefahrenstellen, wie Straßen. Viele Wildtiere sterben auf den Straßen, hierzu zählen leider auch Luchse und viele Wölfe. Meldungen zu seltenen und geschützten Arten aus der Bevölkerung sind ein wichtiges Puzzle für das FFH-Monitoring im Freistaat. Der NABU Thüringen ist deshalb für jeden Hinweis und für jede Meldung zum Luchs und auch zum Wolf dankbar. Aufmerksame Naturfreunde können sich hierfür direkt an den NABU wenden. Silvester Tamás ist beim NABU Thüringen einer der durch das Thüringer Umweltministerium beauftragten Koordinatoren für die Umsetzung des FFH-Monitorings zu Luchs und Wolf im Freistaat.

 

Nähere Infos zum NABU-Luchsprojekt und zum Luchs in Thüringen finden Sie unter www.nabu-thueringen.de.


Luchs nahe Ilmenau gesichtet

NABU mahnt zum vorsichtigen Fahren in wildreichen Gebieten

Am Straßenrand bei Ilmeanu gelang im Januar 2019 dieses Bild eines Luchses. Bildautor: Jörg Schubert
Am Straßenrand bei Ilmeanu gelang im Januar 2019 dieses Bild eines Luchses. Bildautor: Jörg Schubert

 

Am 25. Januar 2019 gelangen Jörg Schubert seltene Fotoaufnahmen eines Luchses bei Ilmenau. Die Bildaufnahmen, die dem NABU vorliegen und noch von der Fachbehörde überprüft werden müssen, zeigen eindeutig einen Luchs, der offenbar am Straßenrand nahe eines Waldgasthauses am Rennsteig sitzt. „Wir freuen uns sehr über den neuen Nachweis und danken dem Melder ausdrücklich für die Bereitstellung der Fotos“, so Silvester Tamás, der Koordinator des Luchsprojektes beim NABU Thüringen.

 

Immer wieder gelingen vergleichbare Aufnahmen, die belegen, dass Luchse auf ihren Wanderungen vielbefahrene Straßen queren müssen. Insbesondere jetzt zur Ranzzeit ist mit erhöhter Aktivität von Wildtieren, wie Luchs und Wolf, zu rechnen. Ein Luchsrevier kann 40 bis 400 Quadratkilometer groß sein. Vor allem in den wild- und waldreichen Mittelgebirgslagen des Freistaates muss man damit rechnen, dass Luchse, aber auch andere Wildtiere kurvige und oft unübersichtliche Bundes- und Landstraßen überqueren. In den letzten beiden Jahren häufen sich die Luchsmeldungen in Thüringen. „Ob diese mit unserem verstärkten Engagement für das Pinselohr seit 2017 in Verbindung steht oder ob nun mehr Luchse den Weg nach Thüringen finden, lässt sich nicht genau sagen. Es ist jedenfalls ein gutes Signal und sollte uns zu mehr Sensibilität und Wachsamkeit gegenüber Europas größter Wildkatze veranlassen“ so Tamás.

 

Ob es sich bei dem neuerlich nachgewiesenen Luchs, um dasselbe Tier handelt, welches immer wieder mal in der Region gesichtet und dokumentiert wurde, ist bislang unklar. Der NABU Thüringen ist aktuell dabei das Luchs-Monitoring im Freistaat, in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Fachbehörden, voranzubringen und nimmt entsprechende Meldungen dankend entgegen. „Je mehr Daten und Erkenntnisse wir zum Luchs in Thüringen bekommen, desto besser gelingt uns der Schutz des Luchses und seiner Lebensräume. Wir sind für jeden Hinweis und jedes Foto sehr dankbar“, so der NABU-Experte.

 

Nähere Infos zum NABU-Luchsprojekt und zum Luchs in Thüringen finden Sie unter www.nabu-thueringen.de.